Martin Riebeling: Schlachten in Stahl

Martin Riebeling setzt sich zeichnerisch und plastisch mit dem Schlachten auseinander, der vom Konsumenten zumeist ausgeblendeten Voraussetzung des kulinarischen Genusses. Feinsinnige Zeichnungen einzelner Schweineteile während eines Schlachtprozesses dienen als Vorstufe für die abstrahierte plastische Darstellung des Tiers in satiniertem Stahl. Von Martin Riebeling stammen auch die Mops-Köpfe aus Gips.

Martin Riebeling. Foto: Frank Bertram

Wie Künstler Johnny Linder bei der Vernissage sagte, sei der in Serie von identischen Gipsköpfen gezeigte Mops sozusagen Sinnbild der ad absurdum geführten menschlichen Haustierzucht. „Reproduktion“ heißt das Werk dann auch treffend. Der austauschbare Charakter der einzelnen Büsten werde durch die Farblosigkeit in in einem Silikon-Abgussverfahren entstandenen Plastiken noch unterstrichen, sagte Linder.

Der Stahl von „Iberico“ oder „Landrasse“ erinnere an Gerätschaften in der Lebensmittelverarbeitung, sagte Linder. Bei den dreidimensionalen Werken bleiben die Schweißnähte als Produktionsspuren bewusst sichtbar. Von Martin Riebeling stammt auch die Videoarbeit, die das Sezieren eines Fisches als küchenfertige Zubereitung in naturwissenschaftlich anmutender Präzision zeigt. Auch in Riebelings Plastiken verberge sich eine gewisse Ironie, welche die zum Teil pervertierte Beziehung zwischen Mensch und Tier kritisch zum Ausdruck bringe, sagte Linder.

„Reproduktion“ aus Gips von Martin Riebeling, im Hintergrund „Meet me“ von Ireen Malinowski, Öl auf Leinwand. Foto: Frank Bertram

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